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13.09.2010

Vereinsintern
Wappen Seemöwe
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               DAS OSTFRIESISCHE WAPPEN

Wie B. E. Siebs in seinen "Betrachtungen über das ostfriesische Wappen" (1928) nachgewiesen hat, findet sich das ostfriesische Wappen bereits auf einem Doppeltaler Ennos II. aus dem Jahre 1530 und auf Münzen des Grafen Enno III. (1599 bis 1625). Jedoch erst Graf Rudolf Christian (1625 bis 1628) hat es als Wappen der Grafschaft Ostfriesland offiziell eingeführt.

Eala Frya Fresena

Das ostfriesische Wappen setzt sich aus sechs Feldern zusammen, die den Zusammenschluss einzelner Landesteile Ostfrieslands versinnbildlichen. Es liegt daher auf der Hand, dass der heute geläufigen Form des ostfriesischen Wappens Vorstufen vorausgingen, die der jeweiligen territorialen Zusammensetzung des Landes entsprachen. So zeigt z. B. eine Münze Ennos I. vom Jahre 1483 im gevierten Schild den tom Brokschen Adler und den Ukena-Löwen mit dem Jungfrauenadler der Cirksena als Herzschild. Ganz ähnlich gestaltet ist das ostfriesische Wappen, das Siebmachers Wappenbuch für das Jahr 1599 verzeichnet. Nachdem Enno III. durch Heirat das Harlingerland erworben hatte und dieser Gebietszuwachs im Berumer Vergleich von 1600 vertraglich festgelegt worden war, führte Graf Enno III. in einem zweifach gespaltenen Schilde vorn den rietbergischen Adler, in der Mitte die Harpyie oder den Jungfrauenadler der Cirksena und hinten geviert den Esenser Bären und die Wittmunder Peitschen.

Doch wenden wir uns nunmehr der von Rudolf Christian eingeführten, uns allen bekannten Form des sechsfeldrigen ostfriesischen Wappens zu.

Das e r s t e als vornehmstes Feld zeigt in Schwarz eine von vier goldenen Sporenrädern begleitete goldene Harpyie als Wappen des Geschlechts der Cirksena, das bis 1744 in Ostfriesland herrschte. Die vier Sporenräder erscheinen in der Form von Sternen zuerst im Jahre 1436 im Siegel der Cirksena (Siebs). Sie deuten auf den Besitz des Norderlandes hin und sind offenbar in späterer Zeit aus Sternen zu Sporenrädern umgedeutet worden.

Neben dem Jungfrauenadler der Cirksena befindet sich im z w e i t e n Feld in Rot der goldene, auf Haupt- und Flügelsachsen gekrönte Adler der t o m B r o k. Die tom Brok waren die Herren des Brokmerlandes. Die Erbschaft ihres Besitzes erhob die Cirksena zur tatsächlichen Macht in Ostfriesland.

Das d r i t t e Feld zeigt in Silber einen mit 5 (bisweilen auch 6 bis 8) abwechselnd goldenen und silbernen, aufrechten Rauten belegten roten Balken, der von drei (2:1) blauen steigenden Halbmonden begleitet ist. Das Wappen bezieht sich auf die Herrschaft M a n s l a g t, die im Erbgang an die Cirksena fiel. Es gehört vermutlich in die Klasse der sog. redenden Wappen. Die drei Monde im Wappen hat man mit dem ersten Bestandteil des Ortsnamens "Man-" in Verbindung gebracht, während die Rauten, als Lichtkeile (liacht = Licht) gedacht, auf den zweiten Teil des 1361 Mansliacht geschriebenen Ortsnamens bezogen wurden. Möglich ist es aber auch, dass der - Wortbestandteil -slagt, -slacht etymologisch richtig als Pfahlwerk, Bohlenwerk gedeutet und durch einen Balken wiedergegeben wurde. Die Rauten auf dem Balken waren dann unter Umständen nichts anderes als eine Art von sog. Damaszierung, d. h. einer in der Heraldik zur Belebung leerer Flächen übliche Art von Verzierung mit geometrischen Mustern, die man später nicht mehr als solche erkannte, sondern als Rauten deutete (Dr. O. Korn).

Der golden bewehrte silberne Löwe im blauen Felde, der eine gestürzte goldene Krone um den Hals trägt, ist das Wappen F o c k o U k e n a s dessen Besitzungen durch seine Enkelin Theda ihrem Gatten, dem Häuptling und späteren ersten Grafen von Ostfriesland, Ulrich Cirksena, mit in die Ehe gebracht worden sind.

Die beiden letzten Felder beziehen sich auf das H a r 1 i n g e r l a n d.

Der steigende rot bewehrte schwarze Bär mit goldenem Halsband im goldenen Felde ist das Wappen der Attena, der Herren des Harlingerlandes. In der Form des aus einem Mauerturm wachsenden Bären hat das Wappentier der Attena auch in das Stadtwappen von Esens Eingang gefunden, während der Flecken Wittmund sich mit 2 Bärenklauen begnügte.

Die zwei goldenen schräggekreuzten zweioder dreistrangigen Geißeln im blauen Felde sind zuerst im Wappen des Häuptlings Hero Omken aus dem Hause Attena (1473-1522) bezeugt. Sie sind auf den Siegeln Hero Omkens (im quadrierten Schild: Bär und zwei schräggekreuzte Geißeln) gut als Geißeln zu erkennen; die Darstellung derselben als Peitschen ist daher nicht ganz korrekt, ihre Wiedergabe als Turnierfähnchen ganz abwegig. Ob wir die Geißeln Hero Omkens als religiöses Emblem (Siebs) oder als Symbol der Macht (H. Koch) zu deuten haben, wird sich schwerlich noch entscheiden lassen. Fest steht, dass Bär und Geißeln seit Hero Omkens Zeiten als Wappenzeichen der Attena bekannt sind und deren Herrschaft über das Harlingerland versinnbildlichen.

Zum Schluss noch ein Wort über die oberhalb des Schildes angebrachten heraldischen Bestandteile. Zunächst finden sich dort drei gekrönte Bügelhelme.

Der mittlere - Helm gehört zum Wappen der Cirksena. Er trägt als Helmzier eine goldene Lilie vor sechs schwarzen Straußenfedern. Die Farben der Helmdecke sind schwarz-gold.

Der Helm zur Linken des Beschauers zeigt einen goldenen Adlerrumpf mit rotem Flug. Er hat rot-goldene Helmdecken und gehört zum Wappen der tom Brok.

Der Helm zur Linken des Beschauers zeigt einen goldenen Adlerrumpf mit rotem Flug. Er hat rot-goldene Helmdecken und gehört zum Wappen der tom Brok.

Der dritte Helm endlich, zum Wappen des Harlingerlandes bzw. des Hero Omkens gehörig, zeigt zwei schräggekreuzte Geißeln, belegt mit einer blauen Lilie. In ähnlicher Form ist schon die Helmzier auf den Siegeln Hero Omkes gestaltet. Die Helmdecke ist blau-gold. Unter Ausscheidung des Gold sind die Farben der Helmdecken Schwarz (Cirksena)-Rot (tom Brok)-Blau (Harlingerland) zu den ostfriesischen L a n d e s f a r b e n geworden.

Dr. J. König

Anmerkung:

Die Vorstehenden Ausführungen sind als Antwort auf viele Fragen, die immer wieder, nicht zuletzt von Ostvertriebenen und Ostfriesland-Besucher, nach dem Sinn des Ostfriesischen Wappen gestellt werden, gedacht.

(Schriftltg.)